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Bautzener Ingenieurgesellschaft will an Russlands Bahnen der Zukunft mitbauen

29. Oktober 2009: Die Cideon AG hat jetzt ein Büro in Moskau eröffnet. In der Schweiz gewannen die Lausitzer gerade ihren zweiten Großauftrag.

Von Thilo Berger (Sächsische Zeitung)

Auf den ersten Blick haben Olten und Bautzen wenig Gemeinsamkeiten.  Olten im Zentrum der Schweiz zählt rund 17000 Einwohner. Bautzen inmitten der Oberlausitz gut 41000. In Olten kreuzen sich wichtige Eisenbahnlinien, von Bautzen aus fahren Züge nur noch in zwei Richtungen.
Der zweite Blick verrät Verbindendes: die Bedeutung der Bahnindustrie. In Bautzen bauen etwa 1300 Bombardier-Werker Straßen- und Stadtbahnen. In Olten beschäftigen sich mehr als 500 Mitarbeiter im Industriewerk der Schweizerischen Bundesbahnen (SBß) mit der Wartung von Fahrzeugen.
Seit einiger Zeit arbeiten sie mehrschichtig, denn die SBB lässt hier 236 ehemalige Eurocity-Wagen modernisieren. Sie sollen künftig nicht mehr in grenzüberschreitenden Verkehr rollen, sondern innerhalb der Schweiz. Dort lösen sie Wagen aus den 70er Jahren ab.


Die modernisierten Schweizer Eurocity-Wagen bekommen auch behindertengerechte Toiletten mit Notruf-Schaltern. Die ingenieurseitigen Vorbereitungen für die Modernisierung erledigte die Bautzener Cideon Engineering GmbH.
FOTO:SBB

Sieger unter 15 Bewerbern
Alle Wagen erhalten im SBB-Werk Olten neue Sitze, Fenster, Toiletten und Fußböden. Bauzeichnungen und weitere Unterlagen dafür entstanden weitgehend bei der Cideon Engineering GmbH in Bautzen. Deren Geschäftsführer Detlef Kahl weiß: "Bei der Modernisierung bleibt nur noch die äußere Wagenhülle bestehen." Die Ingenieurgesellschaft mit etwa 120 Mitarbeitern hat sich seit ihrer Gründung 1992 als Dienstleister vor allem für die Bahnindustrie einen Namen gemacht.
Als die Schweizerischen Bundesbahnen Anfang 2008 die Modernisierung der Eurocity-Wagen international ausschrieben, bewarb sich auch Cideon - als einer von 15 Bewerbern. Der Auftrag ging nach Bautzen, aus Sicht der SBB vor allem wegen der Kompetenz und der starken Marktposition der Lausitzer in Deutschland.

Moskau mit Milliarden-Plan
Cideon-Ingenieure machten sich ans Werk und bereiteten die Modernisierung der Wagen vor. Um vor Ort präsent zu sein, eröffnete Cideon in Basel eine Niederlassung mit mittlerweile fünf Mitarbeitern. SBB-Projektleiter Frank Schneider lobt die Bautzener vor allem für ihre "hohe Motivation und Kompetenz für den Markt Schweiz".
Unterdessen vergaben die Schweizer einen zweiten Großauftrag an Cideon: die Modernisierung von 115 Doppelstockzügen der Züricher S-Bahn. Die Fahrzeuge erhalten unter anderem Klimaanlagen,  neue Brandschutztechnik und in der Ersten Klasse drahtlose Internet- Zugänge. Für diesen Auftrag bewarb sich Odeon gemeinsam mit einer Schweizer Finna, die bei der Eurocity-Ausschreibung noch zu den Konkurrenten gehört hatte.
Insgesamt will die Schweiz bis 2030 rund 13 Milliarden Euro in ihre Eisenbahnen stecken. Noch weitaus größere Pläne hegt Russland: Etwa 400 Milliarden Euro sollen bis 2030 in moderne Gleise, Signaltechnik, Bahnhöfe und Fahrzeuge fließen. Schon jetzt führt Cideon-Chef Detlef Kahl dazu in Russland Verhandlungen. Anfang Oktober eröffnete das Bautzener Unternehmen eine Repräsentanz in Moskau. Und im November erwartet Kahl eine russische Delegation in Bautzen.

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